Lasterfahren fürs Vaterland
vor »Am 19. August 1935 starteten 46 speziell präparierte Lkw zu Versuchsfahrten. Ziel war die Erforschung alternativer Treibstoffe, um Deutschland unabhängig von ausländischem Öl zu machen.
Die Versuchsfahrten waren auf 8 Wochen angelegt. Sie sollten Aufschluss über die Tauglichkeit von 12 alternativen Treibstoffen geben. Der Fuhrpark setzte sich zusammen aus 46 Fahrzeugen. 38 davon waren Generator- Fahrzeuge, 2 Fahrzeuge fuhren mit Flaschengas, 2 weitere mit Dampf und ein Fahrzeug mit Methanol. Auch drei Fahrzeuge mit herkömmlichen Diesel-Motoren gingen an den Start.
Zuerst wurde auf der Avus in Berlin gefahren. In den ersten Tagen war die Geschwindigkeit vorgeschrieben, um die Motoren schonend einzufahren. Gefahren wurde 16 Stunden am Tag in
zwei Schichten. Neben den 128 Fahrern wurden noch 118 Studenten als Beobachter verpflichtet. Sie hatten die Aufgabe, die Fahrt und alle Vorkommnisse wie notwendige Reparaturen genauestens zu dokumentieren.
Nach acht Tagen auf der Avus wurden die Fahrten auf den Großraum Berlin erweitert. Anschließend ging es in die Eifel. Nach einer dreitägigen Überführungsfahrt begannen die Versuchsfahrten auf dem Nürburgring. Schon damals galt die anspruchsvolle Rennstrecke als ideales Terrain für Testfahrten. Drei Wochen lang wurde auf dem Ring gefahren. Wegen der hohen Beanspruchung kam es zu mehreren Unfällen.
Vom Nürburgring ging es in einer Rundreise durch Deutschland zurück nach Berlin. Wo immer die Kolonne einen Tankstopp machte, sorgte sie für großes Aufsehen in der Bevölkerung. Übernachtet wurde jeweils in Kasernen, die auf der Strecke lagen.
Trotz der Unfälle auf dem Nürburgring erreichten alle 46 Versuchsfahrzeuge Berlin auf eigener Achse. Dort wurden noch zwei Wochen lang bis zum 12. Oktober 1935 die abschließenden Versuchsfahrten absolviert.
Insgesamt legte jeder Lkw im Schnitt 12.700 km zurück.
Der Gesamtverbrauch betrug 300t Holz, 60t Holzkohle,
13,5t Braunkohlen-Schwelkoks, 13,5t Steinkohlen-Schwelkoks, 10,2t Braunkohlen-Briketts,
23,5 t Anthrazit, 9300 Liter Braunkohlen-Treiböl, 9000 Liter Methanol, 4000 kg Riechgas und 2000 kg Motormethan.
Diese Zahlen deuten an, dass das ganze Unterfangen eine logistische Meisterleistung war.
Schon bemerkenswert, dass bereits damals nach Ersatz für herkömmlichen Treibstoff gesucht wurde. Auch wenn die Motivation seinerzeit eine andere war. Heute wird intensiv im Bereich Biokraftstoff geforscht, um in Zukunft die zunehmende Rohstoffknappheit zu kompensieren. Wer heute schon eine Alternative zu den klassischen Treibstoffen sucht, rüstet sein Auto am besten auf Autogas, Erdgas bzw. auf den Betrieb mit Pflanzenöl um. Weitere sehenswerte Fotos von den Versuchsfahrten finden Sie im Fotoalbum Versuchsfahrten.
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