Kaltgepresstes heiß serviert - Pflanzenöl für Oldtimer
vor »Die Umrüstung eines alten Diesels auf Pflanzenöl hat einst nur Vorteile. Nach Kauf und Einbau sparte man bei jeder Tankfüllung, die Umwelt wurde geschont und der Motor freute sich auch. Durch die zunehmende Besteuerung lohnt sich ein Umbau allerdings kaum noch.
Glücklicherweise hat erwärmtes Pflanzenöl ähnliche Eigenschaften wie Dieseltreibstoff. Daher besteht ein Umrüstsatz im Wesentlichen aus Bauteilen zur Erhitzung des Pflanzenöls. Dazu kommen Filter, spezielle Kraftstoffleitungen und ein bisschen Elektronik. Wer eine entsprechende Anlage einbaut, kann mit Pflanzenöl und Diesel im beliebigen Mischungsverhältnis fahren.
Ohne Umrüstung kann theoretisch auch gemischt werden. Aber da Bio-Diesel ein aggresiver Ester ist, sollte auf ein Beimischen ohne Umrüstung lieber verzichtet werden. Wer es doch probieren will: der Pflanzenölanteil sollte 30% nicht übersteigen. Kaltgepresstes Pflanzenöl wird aus Raps, Sonnenblumen und Sojabohnen gewonnen. Am gebräuchlichsten ist das bewährte Rapsöl. Einige Anbieter von Umrüstsätzen schreiben es für den Betrieb ihrer Anlagen vor.
Die Vorteile von Pflanzenöl, oft auch als Pöl bezeichnet, liegen auf der Hand: Es ist CO2-neutral, ungiftig und enthält weder Umweltgifte noch Schwefel. Bei der Verbrennung entsteht weniger Ruß, und die Abgaswerte sind besser als beim Diesel. Außerdem läuft der Motor wegen der besseren Schmiereigenschaften ruhiger. Und dann ist da noch der Preis: ein Liter Pflanzenöl kostet weniger als einen Euro.
Oldtimer mit ihren eher simplen Dieselmotoren brauchen nur das Eintanksystem. Modernere Fahrzeuge benötigen das Zweitanksystem, denn hier sollte gewährleistet sein, dass beim Start nur Diesel in der Leitung ist.
Der Einbau ist bei Oldtimern relativ einfach, sollte jedoch vom Fachmann durchgeführt werden. Er kann am besten beurteilen, ob sich das Fahrzeug für eine Umrüstung eignet. Umrüstsätze gibt es ab etwa 700 Euro, eine Umrüstung kostet etwa 2000 Euro. Wem das zu teuer ist, sollte bedenken, dass die Anlage ohne weiteres auch wieder ausgebaut und in einem anderen Fahrzeug montiert werden kann.
Wer nicht zig Speiseöl-Flaschen aus dem Supermarkt in den Tank kippen will, kann eine der über 100 Tankstellen mit Pflanzenöl ansteuern. Oder er stellt sich einen eigenen Tank auf. Dafür gibt es keine besonderen Vorschriften, weil Pflanzenöl ein Lebensmittel ist. Das Öl kommt dann vom Lieferanten oder direkt von der Ölmühle. Durch die bis 2012 ständig steigende Besteuerung des Pflanzenöls lohnt sich ein Umbau kaum noch. Wer mit Salatöl aus dem Supermarkt tankt, ist theoritisch verpflichtet, das Öl nachzuversteuern.
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